Salzwiesen im Binnenland - ein prioritär zu schützender Lebensraum

 

Salzstelle Hecklingen; Aufn. D. Spitzenberg

  • Zonierung von Pflanzengesellschaften im NSG "Salzstellen bei Hecklingen"
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    Unter der Code-Bezeichnung * 1340 wird in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ein Lebensraumtyp geführt, der den gesamten salzbeeinflussten Bereich der Binnenlandsalzstellen umfasst. Kennzeichnend für den Lebensraumtyp "Salzwiesen im Binnenland" ist das Vorkommen auf Natrium-, Kalium- und/oder Magnesiumchlorid-haltigen, feuchten (teils überstauten) bis trockenen und in der Regel nährstoffreichen Böden (Salzböden). Überwiegend kommt dabei das Salz über tektonische Verwerfungen durch Aufsteigen von Salzlagerstätten im Untergrund berührenden Wässern an die Oberfläche. Diese Wässer können sowohl diffus als auch in Quellform zutage treten. Durch Verdunstung wird eine Salzanreicherung erreicht.

     

    Derartige Salzstellen besiedelnde Pflanzen haben im Laufe der Evolution Mechanismen entwickelt, das als Gift in Erscheinung tretende Salz entweder zu tolerieren, z. B. durch Verdünnen in dickfleischigen Blättern wie beim Queller (Salicornia europaea), oder sie scheiden das Salz über spezielle Drüsen aus, wie es das Milchkraut (Glaux maritima) praktiziert. Damit besitzen diese Arten einen Konkurrenzvorteil gegenüber den nicht auf salzbeeinflussten Böden angepassten Pflanzen / Pflanzengesellschaften.

     

    Salz-Sode; Aufn. D. Spitzenberg

  • Salz-Sode (Suaeda maritima)
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    Sobald der Salzgehalt des Bodens (z. B. durch Verdunstung, wie in den niederschlagsarmen Lagen im Regenschatten des Harzes begünstigt) soweit ansteigt, dass selbst diese Strategien nicht mehr wirksam die Giftwirkung des Salzes unterbinden können, bleibt der Boden vegetationslos. Bei einem wesentlich geringeren Salzgehalt hingegen können die überwiegend konkurrenzarmen und lichtliebenden Salzpflanzen durch anspruchslose salztolerante Arten verdrängt werden, wobei der Lebensraumtyp "Salzwiese" erhebliche Veränderungen erfährt.

     

    Auf feuchten Lagen setzen sich dann in der Regel ausgedehnte Schilfbestände (Phragmites communis) durch. Auf trockeneren Standorten dominiert überwiegend die Gemeine Quecke (Elytrigia repens). Beide Arten sind salztolerant und können damit wesentlich zu einer (Zer-)Störung der Salzpflanzengesellschaften beitragen. Die Pflanzengesellschaften der Salzstellen erstrecken sich somit von der reinen Quellerflur (Salicornion ramosissimae) bis zu den Salzwiesen der Salzschwadengesellschaften (Puccinellio-Spergularion) und Strandnelken-Gesellschaften (Armerion maritimae).

     

    Salzstelle Sülldorf - Salzasterbestände; Aufn. D. Spitzenberg

  • Thüringer Freunde auf Entdeckungstour in der Salzstelle Sülldorf - Fazit: imposant und erlebnisreich
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    Anfängliche Bestrebungen, durch einen Nutzungsverzicht die Salzwiesen zu erhalten, führten im Gegenteil zu deren rascheren Zerstörung, da sich salztolerante, anspruchslose Arten (eben Schilf und Quecke) vermehrt etablierten. Insofern ist davon auszugehen, dass die obligaten Salzwiesen im Binnenland erst durch eine landwirtschaftliche Nutzung entstanden sind. Schlussfolgernd ist zum Erhalt dieser Pflanzengesellschaften daher eine entsprechende Nutzung durch mehr oder weniger extensive Beweidung bzw. Mahd erforderlich (Grünlandnutzung).

    Bei einem gesicherten Salzgehalt (Vermeidung von Entwässerungs- bzw. Entsalzungseffekten) sind partiell rigorose Bewirtschaftungseinflüsse mit Rohbodenaufschlüssen oder Trittschäden durch Weidevieh nicht nur vertretbar, sie sind durchaus auch förderlich. Die überwiegende Zahl der Halophyten produziert einen über viele Jahre anhaltenden Samenvorrat im Boden, der dann ohne Konkurrenzdruck keimen kann.

     

     

    Bedeutende Salzstellen in Sachsen-Anhalt und Thüringen

    LIFE-Projektleiter Heiko Böttcher; Aufn. D. Spitzenberg

  • Zweifellos sind die umfangreichen Halophytenbestände für den Thüringer LIFE-Projektleiter Heiko Böttcher und seine Freunde ein Erlebnis besonderer Art
  • Die bedeutendsten Salzstellen des Binnenlandes in Mitteldeutschland befinden sich zweifellos in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Am bekanntesten sind wohl die natürlichen (primären) Salzstellen bei Hecklingen und Sülldorf (Sachsen-Anhalt) sowie bei Artern und an der Numburg am Kyffhäuser (Thüringen). Aber auch in den anderen Bundesländern kommen Binnenland-Salzstellen vor, die jedoch weder in der Ausbreitung noch im Artenreichtum „konkurrieren“ können.

    Gegenwärtig wird mit einem erheblichen finanziellen Aufwand an Landes- und EU-Mitteln in Thüringen (insgesamt 2.440.050 Millionen Euro bei 75 %iger Förderung durch die EU) eine Sicherung von 850 ha dieser Salzstellen vorgenommen. Die Umsetzung des vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umweltschutz (Träger) ins Leben gerufenen Projektes erfolgt vom 01.09.2003 bis 31.08.2008. Das eigens dazu eingerichtete Projektbüro wird von Heiko Böttcher (Projektleiter) geführt und ist unter der Adresse EU- Life Projektbüro Oldisleben, Frankenhäuser Straße 67, 06578 Oldisleben erreichbar (Tel.: 034673 78550). Weitere Informationen zum LIFE-Projekt unter: www.eu-life-binnensalz.thueringen.de

    Insgesamt werden im Freistaat Thüringen vier Teilprojekte des LIFE-Programmes durchgeführt. Um sich gegenseitig mit Informationen zu versorgen und um eben auch einmal über den bekannten Tellerrand hinaus zu blicken, unternahm der Projektleiter des Thüringer LIFE-Projektes zusammen mit weiteren drei Mitstreitern am 7. Oktober eine gemeinsame Exkursion zu den Salzstellen bei Hecklingen und Sülldorf. In ihrer Deutlichkeit nicht zu überhören war die gemeinsame Feststellung der Thüringer Freunde: Diese Salzstellen sind eindrucksvoll, riesig (vor allem Sülldorf) und höchst interessant!

    Die Teilgebiete des Thüringer LIFE-Projektes:

    Numburger Westquelle; Quelle: TMLNU - Binnenlandsalzstellen

     

  • Binnensalzstellen an der Numburger Westquelle
  • Die ehemals weitläufigen Salzwiesen der Binnensalzstellen an der Numburg wurden zu 80% durch den Stausee Berga-Kelbra ab 1967 überflutet. Restflächen befinden sich in der Nähe der salzhaltigen Numburger Westquelle, dessen Wasser nördlich in das Lange Rieth abfließt. Die noch vorhandenen salzbeeinflusste Grünlandbereiche werden seit 1998 durch Heckrinder (Nachzüchtung ausgestorbenen Auerochsen) beweidet. Damit soll der Fortbestand von 44 ha Salzvegetation gesichert und Schilf und Quecke zurückgedrängt werden.

     

    Kachstedter Salzwiesen; Quelle: TMLNU - Binnenlandsalzstellen

     

  • Kachstedter Salzwiesen
  • Die drei Kilometer nordwestlich von Artern liegende Salzstelle bei Kachstedt (8 ha Projektfläche) bietet salzbeeinflusste Feuchtwiesen und -weiden, die mit Entwässerungsgräben durchzogen sind. Zu den bemerkenswerten Arten der heute noch anzutreffenden 24 Halophyten zählen der Wilde Sellerie (Apium graveolens), das Salz-Hasenohr (Bupleurum tenuissimum) und die mit einem der größten Bestände Mittelthüringens anzutreffende Gerstensegge (Carex hordeistichos). Verschollen sind u. a. Queller (Salicornia europaea), Stielfrüchtige Salzmelde (Halimione pedunculata), Strandsode (Suaeda maritima) und Salztäschel (Hymenolobus procumbens).

     

    Esperstedter Ried; Quelle: TMLNU - Binnenlandsalzstellen

     

  • Esperstedter Ried
  • Das ca. 500 ha große Esperstedter Ried unweit von Bad Frankenhausen ist eine abflusslose Feuchtsenke, die durch Auslaugung von Salzschichten entstanden ist. Historisch sind mindestens 42 Salzpflanzenarten belegt. Heut können noch 35 Arten nachgewiesen werden, von denen die deutschlandweit nur noch auf zwei Fundorten in Sachsen-Anhalt anzutreffen Kleinblütige Schwarzwurzel (Scorzonera parviflora) bemerkeswert ist. Das Schilf des als „Rohrwiesen“ bekannten Esperstedter Rieds wurde im Winter geschnitten und als Brennmaterial verwendet - auch für die einstige Frankenhäuser Saline. Zukünftig ist die Fortsetzung einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung für den Erhalt der Binnensalzstellen vorgesehen.

     

    Solgraben Artern; Quelle: TMLNU - Binnenlandsalzstellen

  • Arterner Solgraben
  • Der seit 1935 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Arterner Solgraben bietet auf kleinstem Raum eine große Zahl von Salzpflanzenarten. So hat die in den weniger verschlammten Abschnitten des Solgrabens anzutreffende Meer-Salde (Ruppia maritima) hier ihr einziges binnenländisches Vorkommen in Deutschland. Durch den starken Salzeinfluss sind die an den Solgraben angrenzenden Binnensalzstellen nicht an intensive Pflegemaßnahmen gebundenen, jedoch wird eine Säuberung der Flächen und eine Beseitigung der in der Vergangenheit vorgenommene Aufschüttungen zum Erhalt des salzigen Kleinodes mit Hilfe des EU-LIFE-Projektes angestrebt.

     

    Die Exkursionsziele in Sachsen-Anhalt:

    NSG Salzstellen bei Hecklingen; Aufn. D. Spitzenberg
  • NSG Salzstellen bei Hecklingen
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  • Salzstellen bei Hecklingen
  • Direkt vor der Haustür der Fachgruppe gelegen, ist diese außerordentlich gut erfasste Salzstelle seit 1926 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im Gegensatz zur Salzstelle bei Sülldorf ist hier das Wasserregime eher als dürftig zu bezeichnen. Dadurch entstehen auch infolge fehlender Bewirtschaftung Probleme mit dem übermäßigen Einfluss der Gemeinen Quecke. Gegenwärtig wird für die Salzstelle Hecklingen eine Beräumung (Mahd, Beseitigen von Wurzelschichten) auf Teilflächen realisiert. Die Mittel hierfür (das Gebiet ist als FFH-Gebiet ausgewiesen) werden durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zur Salzstelle finden Sie in Kürze hier...

     

    Paracymus aeneus; Aufn. D. Spitzenberg

     

  • Bevorzugt schlammige Böden: Paracymus aeneus, ein halobionter Wasserkäfer
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  • Salzstelle bei Sülldorf
  • Sie gilt als eine der am längsten bekannten und wohl auch größten sowie bedeutendsten Salzstellen. An Störungszonen der Schönebeck-Weferlinger Triasplatte tritt salzhaltiges Wasser an die Oberfläche. Ferner wird das Gebiet von den gut Wasser führenden Bächen Sülze und Seerennengraben durchflossen. Diese sorgen für ausgedehnte Schlammflächen, auf denen eine hochinteressante Insektenfauna anzutreffen ist. So wie anderswo Disteln und Brennnessel die Wegränder säumen, ist hier der Queller allenthalben anzutreffen. Weitere Details finden Sie in Kürze hier...

     

    Gäste aus Thüringen; Aufn. D. Spitzenberg

  • Er war interessant und lehrreich, der Ausflug nach Sachsen-Anhalt. Im kommenden Jahr soll daher der begonnene Erfahrungsaustausch fortgesetzt werden.
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