Exkursion zum Neusiedler See

Eine Fachgruppenexkursion vom 04.07.1998 bis 11.07.1998

R√ľckblick von Helga Lang und Kerstin Wei√üleder

 

Zum Kennenlernen pontisch-mediterraner Floren- und Faunenelemente besuchten Mitglieder unserer Fachgruppe mehrfach den Neusiedler See und seine Umgebung in Ungarn und √Ėsterreich. H√∂hepunkt war dabei ein einw√∂chiger Aufenthalt im Juli 1998 mit √úbernachtungen in Fert√∂r√°kos. √úber erste Eindr√ľcke und Ergebnisse wurde bereits in halophila 34 (1997) und in halophila 36 (1998) berichtet.

Auf dem Neusiedler See; Aufn. K. Weißleder 1998

  • Ein Abend am Neusiedler See. Die salzbedingte N√§he zum Sta√üfurter Salzland war Anla√ü der Exkursion.
  • Als Ausgangspunkt f√ľr die n√§here Erkundung w√§hlten wir den ungarischen Ort Fert√∂r√°kos (fr√ľher Kroisbach). Der Ort bietet bereits einige erste Sehensw√ľrdigkeiten. Hauptanziehungspunkt ist ein Steinbruch am Ortseingang. Mit seinen eindrucksvollen S√§ulenhallen kann er tags√ľber besichtigt werden. In den Sommermonaten wird die hallenartige Akustik f√ľr Konzerte und Theaterauff√ľhrungen genutzt.

    Weitere Sehensw√ľrdigkeiten sind das Kristallmuseum, das Schloss, der Pranger vor dem fr√ľheren Rathaus, Reste der alten Stadtmauer und die ehemalige Wasserm√ľhle.

    Nicht weit von Fert√∂r√°kos erheben sich die Soproner Berge. Die H√∂henlage, schattenspendende Buchen- und Nadelw√§lder sowie k√ľhle B√§che sorgen gerade in den Sommermonaten f√ľr ein angenehmes Klima und eine erfrischende Alternative zur trockenen Salzsteppe. Das Gebiet der Soproner Berge geh√∂rt geologisch und pflanzengeografisch zu den Ostalpen. Dies wird besonders deutlich, wenn im August entlang des Panoramaweges und auf dem Dalos hegy die Alpenveilchen bl√ľhen.

    In wenigen Worten zusammengefasst, erwartete uns am Neusiedler See eine bemerkenswerte Landschaft mit vielen Besonderheiten und einer großen Artenvielfalt.

    Kurzbeschreibung des Neusiedler Sees

    Der urkundlich erstmals 1199 erw√§hnte See begann sich vor ca. 12 Millionen Jahren, als das Gebiet vom Pannonischen Meer bedeckt war, zu bilden. Unter ihm liegen gro√üe Mengen Ger√∂ll, zum Teil angeschwemmt von der Donau, und eine Schicht undurchl√§ssiger L√∂√ü bzw. Flugsande. Den Neusiedler See speisen zwei Zufl√ľsse, die Wulka und der R√°kos. Bei einer Wassertiefe von durchschnittlich 1,10 m betr√§gt seine L√§nge 35 km, die Breite schwankt zwischen 7 km und 15 km. 80 % des Sees befinden sich auf √∂sterreichischem, 20 % auf ungarischem Gebiet.

    Gut die H√§lfte der 320 km2 gro√üen Seefl√§che ist mit bis zu 5 - 6 km breiten Schilfbest√§nden bedeckt. Dieser gr√∂√üte und zugleich westlichste Steppensee Europas weist zahlreiche Besonderheiten auf, die zu einer hohen Artenvielfalt f√ľhren. In dieser Region treffen Arten der Alpen, Spezies aus Eurasien und Arten mediterraner Einfl√ľsse aufeinander. Zudem bildete sich unter dem Salzgehalt des Sees eine eigene Vegetation heraus, darunter mehrere Endemiten.

    Vor allem die Vogelwelt ist es aber, die Jahr f√ľr Jahr unz√§hlige Naturinteressierte in das Gebiet zieht. Besonders die "Salzlacken" genannten kleinen, salzhaltigen und des √∂fteren trocken fallenden Seen im √∂sterreichischen Seewinkel werden von den vielen Vogelarten, insbesondere Watv√∂geln, zur Nahrungssuche aufgesucht. Insbesondere w√§hrend der Zugzeit wird die Region von tausenden durchziehenden Vogelarten als Rastplatz genutzt.

    1992 erfolgte von beiden Anliegerstaaten die Erklärung des wertvollen Naturraumes mit der faszinierenden Steppenlandschaft zum Nationalpark. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und zum Schutz einer alten Natur- und Kulturlandschaft geleistet. Neben Teilen des Sees, den Salzlacken, wechselfeuchten Wiesen und Huteweiden gehört auch das ehemalige Niedermoor Hanság (Waasen) auf ungarischem Territorium zum Nationalpark.

    Umfassende Informationen √ľber den Nationalpark und seine Naturausstattung erh√§lt der Besucher in den jeweiligen Nationalparkzentren, wo neben Vortr√§gen auch unterschiedliche F√ľhrungen angeboten werden.

    Samstag, 04.07.1998

    Die Anreise erfolgte in Fahrgemeinschaften bzw. im Alleingang mit PKW. Aufgrund der gut vorbereiteten Planung war es leicht, der angegebenen Autoroute zu folgen. Gut und sicher fand sich jeder bis zum Nachmittag in seiner angegebenen Panzio in Fert√∂r√°kos ein. Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen in der Cs√°rda "Zum alten Fischer" wurde der kommende Tag vorbereitet und Informationen √ľber geplante Exkursionsziele gegeben.

     

    Steinbruch von Fertörákos; Aufn. H. Lang 1998

  • Im Steinbruch "K√∂fejt√∂", der nicht nur in kulturhistorischer Sicht bedeutsam ist - auch Botaniker und Entomologen kommen hier auf ihre Kosten
  • Sonntag, 05.07.1998

    10.00 Uhr, Treffpunkt am Steinbruch "K√∂fejt√∂", die ber√ľhmteste Sehensw√ľrdigkeit am Rande der Gemeinde Fert√∂r√°kos. Er hat nicht nur in geologischer Hinsicht einen gro√üen Wert, sondern ist auch kulturgeschichtlich interessant und f√ľr Botaniker eine wahre Fundgrube. Gebildet hat sich dieser "Leitha-Kalkstein" mit seinen √ľberaus vielen Meeresablagerungen und Fossilien vor ca. 12 bis 20 Millionen Jahren im Pannonischen Meer. Er wurde seit der R√∂merzeit bis 1948 abgebaut. Egal, ob nun Fossilien, Pflanzen, Heuschrecken oder winzig kleine Ameisen, wie z. B. die seltene s√ľdliche Art Plagiolepis vindobeonenses, jeder kam erst einmal auf seine Kosten.

     

    Der Römer-Steinbruch von Fertörákos

    Im Kalksandstein am westlichen Ortsausgang von Fert√∂r√°kos befindet sich ein ehemaliger Steinbruch. Schon in der R√∂merzeit wurde hier mit dem Abbau des Kalksteins begonnen. Aus den hier gewonnenen Steinen wurde z. B. die Stadtmauer von Sopron errichtet. Sp√§ter verwendete man die Steinquader zum Bau so ber√ľhmter Bauwerke wie dem Stephansdom. Im Kalkstein lassen sich Fossilien, Muschel- und Schneckenreste entdecken. Auf dem Plateau und an den H√§ngen sind artenreiche kontinentale Kalktrockenrasen mit teilweise mediterranen Einfl√ľssen zu finden. In den Randbereichen gehen die Trockenrasen in Schotter- oder Ruderalfluren √ľber.

    Tabelle der nachgewiesenen Arten

     

    Nach kurzer Mittagspause die Besichtigung des Ortes. Zum gr√∂√üten Teil bewahrte die Gemeinde ihren jahrhundertealten Charakter. Die H√§user der Hauptstra√üe stehen mit dem Giebel zur Stra√üe. Jeweils zwei Fronbauernh√§user hatten einen gemeinsamen, schmalen und langgezogenen Hof. Typisch daf√ľr war unsere Unterkunft. Der Erkundungsgang f√ľhrte uns vorbei an der Dreifaltigkeitss√§ule zu der von √ľberall gut sichtbaren Kirche, die durch ihre H√∂he fast domhaft wirkt.

    Abendliche besprechung; Aufn. H. Lang 1998

  • In der Cs√°rda "Zum alten Fischer" wurden die Ziele des n√§chsten Tages besprochen
  • Wenige Schritte weiter der sehenswerte Markplatz. Man kann nachlesen, dass auf dem Marktplatz in den drei√üiger Jahren des 16. Jh. ein neues unterirdisches Gef√§ngnis errichtet wurde, √ľber dem ein Turm erbaut war. Heute noch sichtbar der Pranger.

    Anschlie√üend ein Abstecher zur einstigen Wasserm√ľhle, der im 18. Jh. erbauten Marktm√ľhle, dessen gro√ües M√ľhlenrad im hinteren Hof zu sehen ist. An der Hausecke eine Fresken-Sonnenuhr. Auf der anderen Stra√üenseite das herrliche Bischofsschloss. Es wurde 1311 erstmalig erw√§hnt und des √∂fteren umgebaut. Eine verzierte Fassade mit drei Wappen schm√ľckt das jetzige Hotel ‚ÄúKast√©ly‚Äú. An der ‚ÄúKroisbacher Madonna‚Äú, ein Mahnmal der Vertreibung, war unser geschichtlicher Rundgang zu Ende.

    Danach ein erster Abstecher zum See. Erfassen der Entomofauna oder aber Wanderung am Strand von Fert√∂r√°kos. Letztere als Fu√ümarsch √ľber eine 5 km lange Asphaltstra√üe die rechts und links vom hohen Schilf sowie von Wiesenstreifen ges√§umt wurde. Am Badestrand Wassertreter zum Ausleihen, eine Anlegestelle f√ľr Ausflugsschiffe und viele Surfer auf dem See. Wir st√§rkten uns mit Fischsuppe und Bier, w√§hrenddessen es zu regnen begann.

     

    Das westliche Ufer des Neusiedler Sees nahe dem Strandbad von Fertörákos

    Im Westen des Sees befinden sich ausgedehnte Schilfr√∂hrichtg√ľrtel, die sich in Folge der starken Verlandung gebildet haben und zunehmend gr√∂√üer werden. An die R√∂hrichtzone grenzen M√§hwiesen oder sonstig landwirtschaftlich genutzte Fl√§chen. Im √úbergangsbereich sind vereinzelt Weidengeb√ľsche zu finden.

    Beobachtete Vogelarten:

  • Panurus biarmicus - Bartmeise;
  • Acrocephalus arundinaceus - Drosselrohrs√§nger;
  • Casmerodius albus - Silberreiher;
  • Ardea purpurea - Purpurreiher;
  • Ciconia ciconia - Wei√üstorch;
  • Circus aeruginosus - Rohrweihe;
  • Chlidonias niger - Trauerseeschwalbe;
  • Sterna hirundo - Flussseeschwalbe;
  • Larus canus - Sturmm√∂ve;
  • Larus ridibundus - Lachm√∂ve
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    Montag, 06.07.1998

    Auf dem Programm stand das Kennenlernen des Nationalparks "Neusiedler See - Seewinkel" in Illmitz. Nach einem Vortrag von Herrn Alois Lang im Nationalparkhaus und Informationszentrum wurde das neu errichtete Haus besichtigt sowie der 12 m hohe Aussichtsturm bestiegen. Im Anschluss f√ľhrte uns ein Begleiter vom WWF hinaus in die Natur, zu den Beobachtungspunkten Zick-Laake, Biologische Station und H√∂lle.

    Die Zick-Laake; Aufn. K. Weißleder 1998

  • Die salzhaltigen Gew√§sser der Zick-Laake dienen mit ihren Schilf- und Riedbest√§nden zahlreichen Vogelarten als Rast- und Aufenthaltsraum
  • Die Region ist f√ľr viele Tier- und Pflanzenarten biogeographischer Grenzraum. Pflanzen aus den Alpen erreichen hier ihre √∂stlichste und diejenigen aus Asien ihre westlichste Verbreitungsgrenze. Hinzu kommt der mediterrane Einflu√ü, der ebenfalls zu einer gro√üen Artenvielfalt beitr√§gt. An der Zick-Laake konnten viele Wasserv√∂gel beobachtet werden, z. B. Kampfl√§ufer. Interessant auch die Salzvegetation mit Salzkresse, Salzwegerich, Salzhornklee, Strand-Tausendg√ľldenkraut.

    Am Standort Biologische Station dann endlich Gottesanbeterinnen. Auf dem grauen, rissigen Untergrund der gro√üen ausgetrockneten Lacken versuchten vereinzelt Strand-Melde und die Pannonische Sode Fu√ü zu fassen. Ums√§umt war dieses ausgetrocknete Gebiet von gr√ľnem Schilf. Ein Salzbodentyp dieses Gebietes, ist das Solon√©z. Dem Solon√©zboden fehlen die Salzausbl√ľhungen, da die enthaltenen Salze in ca. 70 cm Tiefe liegen.

    Mit den PKW erreichten wir den Oberen Stinkersee im Gebiet Hölle.

     

    Das Gebiet Illmitz-Hölle

    Die Erkundungen in dem Bereich Illmitz-H√∂lle beschr√§nkten sich im Wesentlichen auf die Zick-Laake, den Oberen Stinkersee und das Gebiet im Umfeld der Biologischen Station. An den trockenfallenden Uferbereichen des Stinkersees konnte die spezielle Vegetation der Sodaschneefelder untersucht werden. Im Bereich der Zick-Laake wurden insbesondere Salzwiesen bzw. Huteweiden erkundet. Im Bereich der Biologischen Station konzentrierten sich die Beobachtungen auf die wegbegleitende Vegetation. Auf √ľberwiegend sandig kiesigem Untergrund waren Halbtrockenrasenreste im Wechsel mit offenen Bereichen und Schilfgebieten zu finden.

    Tabelle weiterer nachgewiesener Arten

     

    Telekie; Aufn. K. Weißleder 1998

  • Die Vorkommen der Telekie (Telekia speciosa) sind im Soproner Gebirge vielfach auf verwilderte Anpflanzungen zur√ľckzuf√ľhren. Auch im Nordharzvorland kommt diese s√ľdliche, als Neophyt geltende Art vor.
  • Dienstag, 07.07.1998

    Eine Exkursion in das √Ėdenburger (Soproner) Gebirge war vorgesehen. Wir erkundeten Teile des Brennberg- und des Panoramaweges. Bereits direkt am Wegesrand eine auffallende Pflanze. Die gelb bl√ľhende Telekie, eine kr√§ftige, bis 2 m hoch werdende Pflanze, die als Anziehungspunkt f√ľr zahlreiche Insekten dient.

    Uns begegneten gro√üe, herrlich bunte Schmetterlinge und unter hohen B√§umen ein Springfrosch in einer feuchten, morastigen Pf√ľtze mitten auf dem Wege. Auf einer neu aufgeforstet sonnigen Lichtung wurden unterschiedlichste Heuschrecken zwischen den kleinen Baumsetzlingen und altem Holz gefunden.

     

     

    Die Soproner Berge

    Das Gebiet der Soproner Berge gehört pflanzengeografisch vollständig zu den Ostalpen. Charakteri-stisch ist das autochthone Vorkommen verschiedener Nadelgehölze, insbesondere der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris). Weiterhin kommen Gemeine Fichte (Picea abies) und Lärche (Larix decidua) vor. In der Krautschicht bildet Vaccinium myrtillus oft dichte Bestände. Verbreitet sind auch Torfmoos-moore.

    Zu den charakteristischen subalpinen Elementen geh√∂rt Alnus viridis, die in Ungarn als Reliktart nur hier im Bereich der Alpenausl√§ufer nat√ľrlich vorkommt. Daneben sind gro√üe Gebiete mit kalkmeidenden Buchen- und Eichenw√§ldern bedeckt. Auf den Wiesen und an den Ufern der B√§che sind subalpine Pflanzenarten, wie z. B. Senecio aurantiacus, Hieracium aurantiacum, Trollius europaeus zu finden.

    Die Erkundungen konzentrierten sich im Wesentlichen auf Randbereiche entlang des Brennberg-Tales, des Panorama-Weges und des Steinbaches (Köves patak). Höhenlagen von mehr als 400 m wurden nicht erreicht. Als Biotopstrukturen wurden Buchenwaldabschnitte, Feuchtwiesen und forstliche Kahlschläge sowie vegetationsreiche Bachabschnitte untersucht.

    Tabelle weiterer nachgewiesener Arten

     

    Kleiner Schillerfalter; Aufn. K. Weißleder 1998

  • Apatura ilia - der zu den Edelfaltern (Nymphalidae) geh√∂rende Kleine Schillerfalter l√§sst mit seinem schillernden Aussehen an einen exotischen Falter denken
  • Mittagspause machten wir im Wald. Immer wieder gab es auf dem Weg etwas zu fotografieren: eine Schrecke, zwei Arten von Schillerfaltern, einen gro√üen Bockk√§fer und zahlreiche Bl√ľtenpflanzen. Sogar wild wachsende Alpenveilchen.

    Über dem Berggipfel ein sich zusammenbrauendes Gewitter. Voller Einsatz trotz feuchten Wetters: Einige Fachgruppenmitglieder fuhren in die Köszeger Berge, das regenreichste Gebiet Ungarns.

     

    Das Köszeger Gebirge

    √Ąhnlich wie im Soproner Gebirge treffen auch hier Arten der alpinen und pannonischen Flora bzw. Fauna aufeinander. Die Berglandschaft zwischen Velem und K√∂szeg ist Ungarns regenreichste Region mit 1000 - 1500 mm j√§hrlich. Die Berge sind √ľberwiegend von Buchenw√§ldern und teilweise Esskastanien bedeckt. In der Strauchschicht sind Salix aurita und Alnus viridis, in der Krautschicht Lycopodium complanatum und zahlreiche Farne wie z. B. Botrichium lunaria, Matteuccia struthiopteris, Blechnum spicant, Polystichum spp. finden.

    Zu den schönsten Pflanzenarten der Krautschicht gehört außerdem Gentiana asclepiadea. In der Felsenvegetation erscheinen die ersten endemischen Alpenarten wie Thlaspi goesingense und Thlaspi alpestre ssp. silvestre. Eine weitere Rarität ist das Vorkommen von Lathyrus montanus, die in Ungarn nur hier zu finden ist.

    Erw√§hnenswert sind dar√ľber hinaus gesch√ľtzte bzw. seltene Arten wie z. B. Gentianella austriaca, Pinguicula vulgaris,Vaccinium oxycoecus, Dianthus superbus ssp. superbus, Crocus albiflorus, Iris sibirica, Goodyera repens, Orchis ustulata, Orchis tridentata, Dactylorhiza maculata, Himantoglossum hircinum,Sesleria varia.

    Es gibt zahlreiche Quellen. Die Exkursion beschränkte sich auf das Gebiet im Umkreis der Hörrmann-Quelle in etwa 700 m Höhe. Der Bereich wurde im Wesentlichen von Buchenwäldern und einzelnen Fichtenbeständen geprägt.

     

     

    Mittwoch, 08.07.1998

    Der Mittwoch stand bis nachmittags 16.00 Uhr zur individuellen Gestaltung zur Verf√ľgung. Ein Teil der Fachgruppenmitglieder nutzte den Tag f√ľr erneute Erkundungen im √∂sterreichischen Teil des Neusiedler Seegebietes.

    Alpen-Strauchschrecke; Aufn. K. Weißleder 1998

  • Die Nordgrenze der Alpen-Strauchschrecke Pholidoptera alpina verl√§uft entlang einer Linie Bodensee - s√ľdlich M√ľnchen. Sie ist bis in H√∂hen von 2000 m zu finden.
  • Andere Mitglieder der Fachgruppe fuhren zur "Silberreiherburg", Ungarns Zentralgeb√§ude des Nationalparks und nach Fert√∂d. Die sogenannte "Silberreiherburg" ist allein schon wegen der besonderen Architektur sehenswert. Im Informationszentrum und den Ausstellungsr√§umen erh√§lt der Besucher einen ersten √úberblick vom Nationalpark. In Fert√∂d befindet sich das wohl sch√∂nste und gr√∂√üte Schloss Ungarns, das Schloss Eszterh√°z, auch ungarisches Versailles genannt. Mit seinem gro√üen Landschaftspark kann es nicht nur besichtigt werden, Teile davon stehen als preiswerte Touristenherberge zur Verf√ľgung.

    Nachmittags trafen wir uns zu dem gemeinsamen Ausflug auf dem See. √úber √Ėsterreichs Gebirge ging ein Gewitter nieder, vom Oberdeck des Schiffes lie√ü es sich gut beobachten. Vom See aus hat man einen ganz anderen Blick zur√ľck zum h√ľgeligen Land und den Ortschaften, die weit weg, getrennt durch einen breiten Rohrdickichtg√ľrtel, liegen. Auf dem Nachhauseweg noch einige ornithologische Beobachtungen auf den angrenzenden Wiesen - Purpurreiher und Silberreiher waren dort unterwegs.

     

    Die Trockenrasenhänge bei Winden am See

    Die H√§nge befinden sich im s√ľd√∂stlichen Randbereich des Leithagebirges. Auf kalkreichem Untergrund kommen √ľberwiegend kontinentale Halbtrockenrasen vor. Teilweise ist der Hang buschig mit Flaumeichen, Schlehen und vereinzelten Hochstauden bewachsen. Auf den Trockenrasen lassen sich zahlreiche pannonische Arten finden. So wurden u.a. Artemisia pontica, Thymius pannonicus, Muscari tenuiflorum, Iris pumila, Allium vineale, Vincetoxicum,Linaria genistifolia, Thesium linophyllum festgestellt.

    Weitere Pflanzenarten waren:

    Anthyllis vulneraria, Marrubium peregrinum, Muscari spec. (Fruchtstände / verm. M. neglecta o. M. tenuiflora), Quercus pubescens, Scabiosa ochroleuca, Seseli hippomarathrum, Stachys recta, Thymus kosteleckyanus.

     

    Donnerstag, 09.07.1998

    Mit den Autos ging es um 9.20 Uhr zum Nationalpark “Fertö-Hanság“. Am Rande der Gemeinde Sarród befindet sich die "Silberreiherburg". Dort erwarteten uns zwei ungarische Begleiter, die uns zur Mexiko-Puszta begleiteten.
    Zackelschafe; Aufn. K. Weißleder 1998
  • Herden von Zackelschafen sind typische Erscheinungen im ungarischen Flachland.
  • Die Erlaubnis des Direktors des Nationalparks in der Tasche und eine Person zur F√ľhrung. Dort sahen wir botanische Besonderheiten wie Kurzkopf-Kratzdistel und Sparrige Gerste. Und immer wieder die Pannonische Salzaster, kurzstielig, verzweigt und bl√ľhend. Zwischen Salzpflanzen wurde ein s√ľdlich verbreiteter Laufk√§fer gefunden. Die sieben Entomologen erkl√§rten sich bereit, den Nationalparkdirektionen sp√§ter ihre gewonnenen Auswertungen zur Verf√ľgung zu stellen.

    Wir fuhren zur√ľck. Ein Halt an einer eingez√§unten Rinder- und einer Zackelschafherde. Uns wurde dann noch ein interessanter Beobachtungsplatz f√ľr Wasser- und Strandv√∂gel unmittelbar links des Hans√°g-Kanals gezeigt. Ein Paradies f√ľr Ornithologen. Mit Ferngl√§sern und Asiolen konnten wir Gruppen von L√∂fflern, Silberreihern, S√§belschn√§blern, Limikolen, Seeschwalben, Graug√§nsen und Enten beobachten.

     

    Die Mexiko-Puszta bei Fert√∂√ļjlak

    F√§hrt man vom ungarischen Nationalparkzentrum in Sarr√≥d Richtung Fert√∂√ļjlak erstreckt sich linker Hand der Stra√üe das Schutzgebiet Mexiko-Puszta. Das Gebiet besteht aus Salzsteppen bzw. Salzwiesen (Huteweiden), die teilweise √ľberflutet werden.

    Die Pflanzenwelt ist vergleichbar mit der, der ber√ľhmten Puszta bei Hortob√°gy. Es kommen u.a. 4 endemische Arten (Sueda pannonica, Aster sedi-folius, Puccinellia peisonis und Cirsium brachycephalum) vor.

    Tabelle weiterer nachgewiesener Arten

    Sideritis montana; Aufn. K. Weißleder 1998
  • Unscheinbar und daher schwer zu finden, das Berg-Gliedkraut (Sideritis montana). Die heilende Wirkung dieser Pflanze wurde bereits vor Jahrhunderten erkannt: "Gliedkraut ged√∂rret und zu Pulver gestossen - darnach mit Honig vermischet wie ein Pflaster - auf ein Tuch gestrichen und √ľbergeleget - das heilet alle Wunden". Aus dem Kr√§uterbuch von Jacobus Theodorus "Tabernaemontanus", Anno 1625.
  • Freitag, 10.07.1998

    Der letzte Tag in Ungarn. Ein gemeinsames Exkursionsziel stand nicht mehr auf dem Programm.

    Der Szarhalmer Wald (szarhalmi erdö) bei Fertörákos

    Das 412 ha gro√üe Waldgebiet befindet sich am westlichen Rand des Neusiedler Sees auf einem H√ľgel. Floristisch ist das Schutzgebiet dem Kalksteinzug des Leithagebirges zuzuordnen. Die Vegetation tr√§gt pannonischen, xerothermen Charakter. Es herrschen kalkliebende Karstgeb√ľschw√§lder mit Eichen (vorwiegend Quercus pubescens) vor.

    Auf kleinen Lichtungen sind artenreiche Halbtrocken- bzw. Trockenrasen zu finden. Am Rand des Waldgebietes flie√üt das kleine Fl√ľsschen R√°kos. Das Wasser des R√°kos speist zwei k√ľnstlich angelegte Seen mit einer breiten Schilf- und R√∂hrichtzone. Entlang der beiden Seen zieht sich eine 2,2 ha gro√üe Moorwiese, die als eiszeitliches Relikt erhalten geblieben ist.

    Tabelle weiterer nachgewiesener Arten

    Ein Teil der Fachgruppe erkundete den Waldh√ľgel am Rand von Fert√∂r√°kos mit dem Naturschutzgebiet ‚ÄěSzarhalmer Wald‚Äú.

    Einige Teilnehmer unternahmen eine Fahrt um den Neusiedler See.

    Bei Pamhagen am Kanal √úberquerung der Grenze zu √Ėsterreich. Von Apetlon dann in Richtung Frauenkirchen, vorbei an den Lacken. Ziel war eine lehmige Steilwand bei Winden am See, an der es eine Kolonie mit Bienenfressern geben sollte.

    Dann der Entschluss, noch nach Rust zu fahren. Rust ist bekannt f√ľr die vielen Storchennester im Ort - ein Erlebnis. Bei Oggau konnten die ersten St√∂rche auf den H√§usern fotografiert werden.

    Beim anschließenden Besuch im Mineral-Museum in Fertörákos konnte Calcit in allen Größen und Farben des ungarischen Landes bestaunt werden.

    Der letzte Abend und damit ein gelungener Fachgruppenausflug ging in der Csárda “Zum alten Fischer“ lustig zu Ende.