Mittelmeer-Nelkenwickler (Cacoecimorpha pronubana) in Sachsen-Anhalt

 

  • Männlicher Falter, abgebildet per Scanner (HP Scanjet 4470c)
  • An einem im Wohnungsbereich überwinternden, mehrjährigen Oleander konnten anfangs Dezember 2002 zahlreiche Gespinnste festgestellt werden. Diese befanden sich ausschließlich an den Spitzen der Triebe und verbanden mindestens zwei Blätter.

    Zwischen Dezember und Mitte März des Folgejahres schlüpften in unregelmäßigen Abständen ca. 25 Falter, die als Mittelmeer-Nelkenwickler bestimmt werden konnten.

    Dieser in mediterranen Bereichen vorkommende Falter gilt als ein polyphages Schadinsekt, das - wie der deutsche Name bereits andeutet - bevorzugt Nelken und Chrysanthemen befällt, jedoch auch vor Paprika nicht zurück schreckt. Was bislang noch nicht bekannt war, ist die Tatsache, das die Raupe auch an Oleander frisst. Auf Grund seiner starken Befallsintensität mit bis zu fünf Generationen tritt der zur Familie der Wickler (Tortricidae) gehörende Falter als ein gefüchteter Schädling auf.

     

  • Männlicher Falter präpariert
  • Das Ausbreiten der Art sollte europaweit verhindert werden und so wurde 1974 eine entsprechende Richtlinie der EU erlassen, die Deutschland 1976 durch eine Verordnung in nationales Recht umsetzte. Gegenwärtig wurde die thermophile Art aus der EU-Richtlinie gestrichen, da offensichtlich keine ausgedehnten Schadeinwirkungen zu verzeichnen sind.

    In den nördliche Teilen Europas trat der Falter erstmals 1905 in Südengland auf und verbreitete sich bislang über weite Teile der südlichen Insel. Weiterhin sind regelmäßige Nachweise aus Belgien und den Niederlanden bekannt. Aus dem nördlichen Deutschland liegt wohl ein neuerer Fund aus der Region Berlin vor. Der Entomofauna Germanica (Schmetterlinge) zufolge sind Funde zwischen 1900 und 1980 in Bayern und Schleswig-Holstein nachgewiesen. Nach Auskunft von Dr. Baufeld vom Biologischen Forschungszentrum Kleinmachnow soll sich die Art im südlichen Deutschland, Raum Baden, seit längerer Zeit etabliert haben.

     

  • Leere Puppenhülle. die sich halb aus dem Gesinnst herausgearbeitet hat. Daneben weiblicher Falter
  • Unklar ist im vorliegenden Fall, wie der Befall der Oleanderpflanze erfolgte. Möglicherweise über ein legereifes Weibchen, das mittels Blumenstrauß im Spätherbst eingeschleppt wurde (eher unwahrscheinlich, da selbige kaum von entsprechenden Händlern gekauft wurden) oder tatsächlich durch Zuflug im Freien, da sich der Oleander bis November auf der Terasse befand. Von Interesse wäre sicher auch, ob die Art den letzten Winter, der sicher mehr zu den strengeren zu zählen ist, überdauert hat. Weiterhin dürfte die Frage nach einer möglichen Arealausdehnung zu stellen sein, analog wie es auch bei anderen Insektenarten (z. B. der Südlichen Mosaikjungfer Aeshna affinis) zu verzeichnen ist.

    Eine weitere Beachtung zum Vorkommen dieser Art ist angezeigt und es wird an dieser Stelle um Mitarbeit bzw. Aufmerksamkeit insbesondere im häuslichen Umfeld gebeten.

    Dietmar Spitzenberg

     

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